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Zwei Catahoularüden unter einem Dach. Geht das?

Zwei Catahoularüden unter einem Dach?  

Das geht nie!!

…war die Aussage der meisten Befragten, die selbst einen Catahoularüden besitzen oder Züchter sind oder Erfahrung mit Arbeitshunden haben. Nur wenige haben berichtet, dass es möglich ist. Und ich glaube das Verhältnis stimmt auch so. Es gibt durchaus Fälle, wo das gut funktioniert aber sehr oft ist es definitiv nicht möglich.

Noch spielen beide Rüden miteinander. Aquim ist erst 4 Monate alt.

Der Rüde ist „same sex aggressive“ heißt das neue Wort. Man kann auch sagen „meiner mag keine anderen Rüden“. Das macht den Alltag mit einem solchen Hund zwar nicht immer leicht, ist aber gerade bei Arbeitshunderassen nichts Ungewöhnliches.  Kommt ein zweiter Rüde in diesen Haushalt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es schwierig wird hoch.

Aggression ist übrigens erst mal ein ganz normaler und lebensnotwendiger Teil des Verhaltensrepertoirs eines Hundes und hilft unter anderem im Sozialverhalten mit Artgenossen Ernstkämpfe zu vermeiden. Die Aggression darf nicht pathologisch sein. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich kann hier nur meine eigenen Erfahrungen und Ansichten weiter geben. Jeder Hund, jeder Hundeführer und jede Situation ist anders.

Um es vorweg zu nehmen – bis jetzt muss ich aus meiner Sicht sagen, dass zwei Catahoularüden unter einem Dach nur unter bestimmten Bedingungen möglich sind. Ich möchte keinen meiner beiden Jungs  missen, aber es gibt sicher einfachere Konstellationen als zwei Catahoularüden, von denen einer ein dominanter Rüde ist, der sehr auf Ressourcen bedacht ist.

Wem der Hausfriede über alles geht, der sollte sich bei Louisiana Catahoulas unbedingt für die Kombination Rüde/Hündin entscheiden.

Es war nicht mein Plan einen zweiten Rüden zu Indigo dazu zu nehmen. Ich wollte zu der Zeit eigentlich gar keinen zweiten Catahoula, aber wie in „Aquims Charakter und Eigenschaften“ beschrieben hat es sich  ergeben.

Indigo

Aquim ist Indigos Sohn. Das spielt natürlich bei Hunden irgendwann keine Rolle mehr und beim Vaterrüden ohnehin nicht. Bis zu Aquims 10. Monat gab es mit beiden keinerlei Problem. Im Gegenteil, Indigo hat viel mit dem Welpen und Junghund gespielt. Aquim durfte sich einiges erlauben – auf ihm rumspringen, ihn zwicken, stellen, Spieli wegnehmen usw. Wenn Aquim allerdings zu frech wurde hat Indigo ihn völlig adäquat zurechtgewiesen. Oft hat es schon gereicht, wenn Indy nur geknurrt hat.

Eines schönen Tages war das Idyll von einer Minute auf die andere vorbei. Indigo hat entschieden, dass der junge Rüde nun gehen muss. Diese Entscheidung konnte ich aber nicht mit ihm teilen.

An diesem Tag hat Indigo den eigentlich längst zum Rüden gewordenen Aquim im Garten massiv verprügelt. Den Auslöser kenne ich leider nicht, da ich erst dazu gekommen  bin, als die Sache schon im Gange war. Das Ende dieser Auseinandersetzung war, das Aquim zu Stein erstarrt auf dem Rücken lag und sich damit unterworfen hat. Indigo stand direkt über ihm und bellte aufgeregt und heiser ohne weiter zu agieren. Nach einer Weile ist er weggegangen und hat Aquim gelassen.

Von dem Tag an war das Verhältnis der beiden sehr schwierig. Es herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände bei uns. Indigo war völlig unversöhnlich. Er ist ohnehin sehr nachtragend. Aquim hat Indigo zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln beschwichtigt, hat ihn aber auch immer wieder provoziert, vor allem wenn ich in seiner Nähe war als vermeintliche Hilfe falls es schief geht…

Aquim, ein junger Rüde im Alter von 15 Monaten

Im Nachhinein muss ich sagen, dass Indigo Aquims Stärke und Selbstbewusstsein viel früher und besser erkannt hat als wir Menschen und er für sich beschlossen hat, hier einen Konkurrenten vor sich zu haben auch in Bezug auf wichtige Ressourcen. Das im Keim zu ersticken war offensichtlich sein Ziel.

In der Folge kam es zu 3 oder 4 Kommentkämpfen zwischen den beiden. Bei den Kämpfen, bei denen wir uns eingemischt haben, kam es zu Verletzungen, allerdings nichts  Ernsthaftes.

Die Auseinandersetzungen bei denen wir uns rausgehalten haben verliefen völlig ohne Verletzungen. Aber man greift die ersten Male einfach reflexartig ein. Zwei kämpfende Catahoulas machen fürchterliche Geräusche und es sieht sehr beeindruckend aus.

Gelernt habe ich – Wenn sich eine Auseinandersetzung ankündigt kann ich das gut abbrechen wenn ich das möchte. Wenn die Auseinandersetzungen schon im Gange ist, halte ich mich völlig raus und gehe oft einfach weg. Dann passieren für gewöhnlich keinerlei Verletzungen, zumal Aquim sofort beschwichtigt und einlenkt (nachdem er durch Provokation den „Watschenbaum“ zu Fall gebracht hat…).

Aber weiter zum Bericht. Wir haben die beiden dann ca. 1 Monat lang getrennt oder nur angeleint oder mit Maulkorb zusammen gelassen. Es war mir wichtig, dass sie trotzdem immer zusammen waren. Sie sollten damit leben, dass der andere da ist. Das Spazierengehen draußen war interessanterweise gar kein Problem. Beide konnten ohne Maulkorb frei laufen. Sie haben sich ignoriert und oft am selben Grasbüschel geschnuppert. Auch beide nebeneinander an der Leine war kein Problem.

Das Bild entstand, als beide Rüden große Schwierigkeiten miteinander hatten. Es spricht Bände…

Daraus kann man schließen, dass es Indigo hauptsächlich um Ressourcen ging wie z.B. Ich (Chefin), Futter, gute Plätze, Haus, Garten, einfach alles war Indigos Besitz und da hatte kein Aquim mehr was zu melden.

Nach dem wir eines Sonntag morgens, gerade aus dem Bad kommend,  in zwei kämpfende Catahoulas verwickelt auf dem Balkon unseres Hauses auch den Nachbarn eine gute Show geliefert haben, haben wir entschieden dass es so nicht weitergeht.

Ständiges Trennen und Aufpassen auf zwei rivalisierende Rüden stört die Harmonie des Hauses massiv und ist anstrengend und zermürbend. Das macht man nicht lange mit.

Nach dem letzten Zusammenprall der beiden haben wir beide Rüden gechipt, also chemisch kastriert. Man sagt eigentlich, dass nur der „schwächere“ Rüde gechipt werden soll und das wäre Aquim gewesen. Aquim ist übrigens kein schwacher Rüde in dem Sinne. Er ist aber deutlich verträglicher mit anderen Rüden als Indigo. In unserem Fall hielt ich es für angebracht auch Indigo zu chipen. Er war schon einmal chemisch kastriert und ich wusste, dass er dann deutlich sanfter wird und ansprechbarer ist in o.g. Situationen. Aquim war also bis der Chip wirkte 1 Jahr alt.

Father and Son…

 Das alleine war aber noch lange nicht die Lösung der scheinbar unüberwindbaren Differenzen der beiden. Eine befreundete und mit Arbeitshunden erfahrene Hundetrainerin hat zu dem Zeitpunkt die Vermutung geäußert, ich müsste einen der beiden Rüden abgeben. Das kam für mich erst mal gar nicht in Frage. Wir gaben uns und den Jungs noch ca. 3 Monate Zeit.

Schon nach der ersten Auseinandersetzung habe ich begonnen beide Rüden wesentlich strikter zu regeln. Im Haus durften sich die beiden meistens nur noch so bewegen wie wir es wollten. Sie mussten oft auf dem Hundeplatz bleiben. Sofa und sonstige Privilegien waren für beide tabu. Eine Zeit lang habe ich jeweils einen von beiden Rüden mit Bauchgurt und kurzer Leine an mich fixiert und er musste auf Schritt und Tritt mit mir kommen in Haus und Garten, dabei habe ich ihn ignoriert und quasi nur als Anhängsel gesehen. Alles war geregelt.

So siehts im Moment aus – beide kommen gut miteinander klar. Indigo ist der Chef!

Dabei habe ich aber niemals Indigos offensichtliche Rolle als den Stärkeren der beiden in Frage gestellt. Ich habe Indigo in Gegenwart von Aquim auch nie massiv zurechtgewiesen. Ich habe ihn in seiner Position als Chef unterstützt. Er hat immer kleine Privilegien bekommen, die Aquim nicht zustanden. Dass ich Aquim  viel stärker geregelt habe als vorher, hat Indigo gefallen und er hat sich beobachtend „zurückgelehnt“, weil ich das Regeln für ihn übernommen habe. Der Kerl hat sehr genau beobachtet, wie ich mit Aquim umgehe. Für Indigo gilt:  „Wenn die Chefin es nicht regelt, regle ich es.“  Regle ich es , ist es für ihn in Ordnung.

Nachdem sich also nach ca. 6 Wochen (bis der Chip wirkt) alles ein wenig entspannt hat, habe ich Indigos Zurechtweisungen an Aquim auch wieder zugelassen, aber nur dann wenn ich nicht involviert war in die Situation. Indigo musste lernen – wenn ich involviert bin, regle ich.

Auch Aquim musste lernen, dass ich in von ihm selbst provozierten Auseinandersetzungen nicht helfe und er die Konsequenzen seines Verhaltens selbst zu tragen hat.

Ich lasse Auseinandersetzungen, die aber nur noch selten vorkommen, zu, damit sich die beiden ausbalancieren können und ihre Positionen zueinander finden. Manchmal breche ich angehende Auseinandersetzungen auch vorher ab, z.B. wenn wir grade mit Pizza auf dem Sofa sitzen und dafür in dem Moment einfach keinen Nerv haben. Überhaupt habe ich  Indigo zu verstehen gegeben, dass ich im Haus dergleichen nicht dulde. Im Garten ist es was anderes. Da sind die beiden auch oft alleine.

In Aquims Welpen- und Junghundezeit hat „Papa Indigo“ wunderbar mit ihm gespielt. Als Aquim begann Ressourcen zu beanspruchen, hat sich das sehr schnell gewandelt…

Indigo ist immer noch streng mit Aquim, an manchen Tagen mehr, an manchen weniger, aber sie können jetzt gut miteinander leben. Dass Indy immer noch so strikt mit ihm ist zeigt mir aber auch, dass es nicht nur abhängig ist von Testosteron, sondern es auch ganz viel um Ressourcen geht. Aber wahrscheinlich potenziert sich die Ausprägung dieses Verhaltens mit Testosteron.

Ich habe letztendlich mit den beiden kein festgelegtes Handeln nach Hundepsychologiebuch. Ich entscheide ehrlich gesagt sehr viel situativ und nach Bauchgefühl. Es ist eine Mischung aus regeln und die beiden selbst regeln lassen. Ich habe mir auch Rat geholt bei 2 erfahrenen, befreundeten Hundetrainern – Dagmar Lang-Vetter und Stephanie Lang von Langen.

Im April 2014 laufen beide Kastrationschips aus, dann schauen wir uns die Situation nochmal mit zwei unkastrierten Catahoularüden an.

Dass es  bei diesen beiden Rüden im Moment wirklich gut funktioniert, heißt aber nicht, dass es bei anderen Catahoularüden auf diese Weise ebenso funktioniert. Unser Weg ist ein individueller und nicht allgemeingültig.

In Zwingerhaltung oder auf Farmen mag es sich wieder anders verhalten. Auf einer Farm hat im Übrigen niemand Zeit, sich um zwei ständig rivalisierende Rüden zu bemühen. Entweder die Rüden finden eine Ordnung und es funktioniert oder einer muss mit Sicherheit gehen. Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass 2 Rüden miteinander völlig problemlos leben  können, aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht hoch. Und die Kastration ist nur manchmal die Lösung des Problems und auch nicht die alleinige.

Unterm Strich rate ich persönlich davon ab, zwei intakte Catahoularüden in einer Gruppe zu halten. Das Risiko ist hoch, dass es nicht klappt und wem eine harmonische Hundegruppe wichtig ist, der sollte sich das sehr gut überlegen.

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Carola Hesse sagte am :

    Hallo Anke,

    wir haben am Karfreitag 25.03.2016 den Catahoularüden Indigo (gesehen auf eurer Website : Catahoulas in Not) zu uns geholt. Wir haben ihn durch Zufall gesehen, als wir schauen wollten, wo ihr dieses Jahr überall Events veranstaltet. Wir haben ja die Catahoulamix-Hündin Kayla (4,5 Jahre aus dem Spanischen Tierschutz) und den Catahoularüden Mexx haben wir ja als Welpe zu uns geholt, der inzwischen 1,5 Jahre alt ist. Nachdem beide inzwischen für uns akzeptabel im Grundgehorsam stehen und sie bei uns (so denken wir zumindest) auch gut ausgelastet werden, sprach nichts mehr dagegen, einem dritten Hund aus dem Tierschutz ein zu Hause bei uns zu schenken. Also sind wir nach langem hin und her nach Wien gefahren und haben Indigo (3 Jahre) zu uns geholt. Natürlich haben wir vorher diesen Bericht gelesen und waren leicht am zweifeln, wollten es aber trotzdem versuchen. Zuerst war Mexx noch unkastriert, damit kam Indigo überhaupt nicht klar, es hat fast täglich gescheppert und gab auch Verletzungen. Jetzt, nachdem Mexx auch kastriert wurde ist es ok. Mexx ist viel lockerer, geht auch auf ihn zu und spielt ihn oft an, was von Indigo allerdings komplett ignoriert wird. Die große Liebe wird es sicher nicht mehr zwischen den beiden Burschen, aber sie kommen miteinander klar, der Rang ist geklärt und das zusammenleben soweit harmonisch. Der Job aller drei ist das Ziehen des Dog Scooters (aktuell sind Kayla und Mexx im Zweiergespann eingespannt und Indigo alleine. Am Wochenende will ich es erstmals versuchen, alle drei gemeinsam einzuspannen…. Alle haben Freude dabei. Es gibt auch allerhand anderer Beschäftigungen für zwischendurch bei uns, langweilig wird es nicht. Aktuell wenn alle drei im Garten spielen, gehten beide Jungs auf Kayla, da hat sie schon gut zu tun aber sie wird den beiden Herr und beendet das ganze auch wenn es ihr zuviel wird. ….. Nun ja, vielleicht erleben wir es ja noch, dass eines Tages auch die beiden Jungs miteinander spielen. Wir gehen auch einmal pro Woche zur Hundeschule in die Spielstunde. Auch dort will Indigo nichts mit anderen Hunden zu tun haben, er ist eher damit beschäftigt, nach unkastrierten Rüden zu suchen, um diese dann zu stellen. Gespielt wird anscheinend nur zu Hause mit Kayla….

    Ganz liebe Grüße
    Carola & Sascha
    mit Kayla, Mexx & Indigo

  2. tschernischewsky sagte am :

    Ich finde es toll, wie prima Du das hinkriegst und wieviel Geduld Ihr beiden Mädels aufbringt damit das für alle Beteiligten gut funktioniert. Hut ab und weiterhin viel Erfolg.

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